Leitmotive der AWO-Essen zur Offenen Seniorenarbeit

Der Begriff "Alter" lässt sich nicht eindeutig definieren. Alter ist vielmehr beschreibbar als ein komplexer (biologischer, soziologischer oder psychologischer) Prozess, der nicht gleichmäßig verläuft und nur bedingt vom kalendarischen Alter abhängig ist. Foto der Clubleiterseminargruppe 2001 vor der Scheune in Ahaus, Bredeck-Bakker
"Alter" ist wie "Jugend" ein Lebensabschnitt, der frei sein sollte von Produktions- und Verdienstzwängen. Die Einstellung zum Alter orientiert sich daher nicht an den Kriterien der Leistungsgesellschaft. Aber auch im Alter wirken Vor- und Nachteile der sozialen Herkunft nach. Benachteiligungen in Kindheit, Schulbildung und im Arbeitsleben setzen sich häufig im Alter fort. Diesem Prozess ist entgegen zu wirken. Grundlage dafür ist der Erhalt der Lebensqualität im Alter und damit verbunden die Förderung der drei G s: Gemeinschaft, Geselligkeit und Gesundheit.

Aktivierende Seniorenarbeit wendet sich gegen Klischeevorstellungen, die den älteren Menschen als senil, arm, krank, einsam und abhängig klassifizieren. Sie will vielmehr die Eigenverantwortung stärken, die Lebenskontinuität erhalten und die volle Integration älterer, nicht mehr dem Leistungsdiktat unterworfener Menschen in unserer Gesellschaft sichern.

Forderungen der Arbeiterwohlfahrt zum Erhalt der Lebensqualität im Alter

* Sicherung und Stärkung einer eigenständigen Lebensführung im Alter. Initiativen zur selbst bestimmten Lebensgestaltung und zum Zusammenleben der Generationen sind zu entwickeln, zu erproben und zu fördern.

* Das Miteinander der Generationen, Toleranz, Achtung und Verständnis für Lebensumstände der Altersgruppen soll gefördert werden.

* Selbstbestimmt geführte Einrichtungen zur Pflege der Geselligkeit, des Kontaktes und des Informationsaustausches sind zu erhalten und zu unterstützen. Weitere ehrenamtliche Tätigkeiten oder Selbsthilfe sind anzuregen und zu fördern.

* Es ist sicher zu stellen, dass Vertreter der älteren Bürger an Planungen zu beteiligen sind, die ihre Interessen berühren.

* Die Information und Beratung von Seniorinnen und Senioren ist fachgerecht und umfassend durch die Stadt- und Landkreise der demographischen Entwicklung entsprechend auszubauen.

* Die Gestaltung der sozialen Sicherung soll die Voraussetzungen schaffen für weitgehende Unabhängigkeit, Sicherheit und Selbstbestimmung des älteren Menschen.

* Die Gesundheitssicherung muss stärker als bisher den spezifischen Bedürfnissen älterer Menschen Rechnung tragen, durch die entsprechenden Therapieangebote, Vermehrung geriatrischer Kliniken und Stationen, Rehabilitationseinrichtungen, Errichtung von Tages- und Nachtkliniken, Qualifizierung der Pflegekräfte, etc.).

* Das Engagement im Reise-, Freizeit und Kreativbereich ist weiter zu entwickeln.

* Zur Sicherung von angemessenem Wohnraum ist zu fordern:

- Eine ausreichende Zahl von altersgerechten Wohnungen sowie Seniorenwohnheimen in überschaubaren Größen, möglichst in unmittelbarer Nähe des bisherigen Lebensbereiches.

- Kleinwohnungen in Neubau- und Sanierungsprogrammen, die auch den Erfordernissen alter Menschen entsprechen oder leicht angepasst werden können.

- Zur Erhaltung der selbstständigen Lebensführung oder zur Entlastung der Angehörigen sind vorrangig Ausbau und breite Fächerung der ambulanten Dienste anzustreben mit dem Ziel, das Verbleiben in der gewohnten Umgebung so lange wie möglich sicher zu stellen.