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Nach einer zweijährigen Praxis- und Erprobungsphase haben wir den vorgestellten interdisziplinären Ansatz entwickelt. "Hilfen aus einer Hand" wechseln,- dies hat die Praxis gezeigt, ständig zwischen gesetzlichen Pflicht- und Sollaufgaben des achten Sozialgesetzbuches. In den Fällen, in denen die Belastung von Kindern und Jugendlichen so groß sind, dass Hilfen zur Erziehung nicht mehr abzuwenden sind, bietet das Jugendhilfe-Netzwerk flexible, erzieherische Hilfen auf der Grundlage des KJHG an.
Dem § 27 KJHG ist dabei das entscheidende Gewicht zu verleihen. Einzige Maßgabe für die Organisation der Arbeit ist es, die notwendige und geeignete Hilfe zu leisten. Die Institution passt sich somit den Problemlagen der Menschen an. Erzieherische Hilfen können maßgeschneidert für den Einzelfall installiert werden.
Ein oder zwei SozialarbeiterInnen betreuen durchgehend einen Fall, es entstehen keine Beziehungsbrüche. Darüber hinaus geben flexibel organisierte Hilfen dem Sozialarbeiter Raum für pädagogische Phantasie. Hierdurch kann es gelingen, wesentlich kurzfristiger und milieubezogen auf Probleme zu reagieren. Entsprechend der individuellen Bedürfnis- und Problemlage wird ein auf die aktuelle Lebenslage abgestimmtes Betreuungssetting konstruiert und bei Bedarf ständig variiert.
Vor diesem Hintergrund betreut das Jugendhilfe-Netzwerk eine wechselnde Anzahl von Kindern und Jugendlichen, durchschnitlich 16 Kinder/Jugendliche und deren Familien in intensiver Einzelbetreuung sowie ca. 15 Kinder/Jugendliche in gruppenpädagogischen Maßnahmen. Je nach Profil des Einzelfalles sind aber auch andere Betreuungsformen denkbar. Über die Art des geeigneten Betreuungsarrangements wird im Rahmen des Hilfeplanverfahrens gemäß § 36 KJHG beraten und entschieden, hier wird neben der pädagogischen Zielsetzung auch ein Wochenstundenkontingent ausgehandelt. Ausschlaggebend ist die individuelle Bedarfslage im Einzelfall, - sie wird fortlaufend überprüft und bei Veränderungen kurzfristig angepasst. (Bei Hilfebeginn Probezeit drei Monate, Fortschreibung des Hilfeplans bedarfsgerecht, ansonsten halbjährlich).
Die Operationalisierung von Zielen schafft die notwendige Verbindlichkeit, Glaubwürdigkeit und Motivation von Leistungsträgern und Fachkräften. Dabei steht nicht im Vordergrund, was idealtypischer Weise pädagogisch wünschenswert wäre, sondern, was pädagogisch machbar ist.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der flexiblen erzieherischen Hilfen ist ein Modell von kollegialer Beratung und kollektivem Teamverständnis.
Das Modell zur kollegialen Beratung bewegt sich vor dem Hintergrund des persönlichen Werte- und Normensystems unserer MitarbeiterInnen einerseits und der knappen Personalressourcen des Jugendhilfe-Netzwerks Essen-Katernberg andererseits. Für die Aushandlung unterschiedlicher Interessen und für die Verinnerlichung der konkret vorhandenen Aufgabe, nämlich immer wieder realisierbare Entscheidung zwischen den Positionen der MitarbeiterInnen, Leitung, ASD und Klientensystem zu finden, braucht es das reflektierte und strukturierte Teamgespräch. Im Team findet Beratung, Entscheidung und Kontrolle statt. Diese Arbeitsweise setzt voraus und fördert gleichermaßen drei Gesichtspunkte,- die der sachgerechten Entscheidung im Einzelfall dienen: Das Wohl des Kindes,- die vorhandenen Ressourcen und die realistischen und realisierbaren Hilfeperspektiven.
Wir gehen von einem Bewusstsein aus, demnach Team des Jugendhilfe-Netzwerks eine Instanz ist, die zum Verstehen komplexer und ambivalenter Zusammenhänge in einem Einzelfall benötigt wird. Von Bedeutung ist, dass die Einzelpositionen jedes Teammitgliedes erkennbar sind. Darüber hinaus wird das Team durch einen Pool freier Mitarbeiter erweitert. So wird u.a. auch ein größeres und flexibleres Personalprofil erreicht.
Diese Positionen sind Voraussetzung dafür, dass Verhandlungen zwischen den unterschiedlichen Interessen der an der Hilfe Beteiligten stattfinden können und damit einer der Komplexität der Situation angemessene Entscheidung getroffen werden kann.
Auch ist das Team die Instanz, in der Ideen unterschiedlicher Art entwickelt werden können, in der Kreativität und Einfallsreichtum zu konkretem Alltagshandeln führen. Einfälle, Lösungsmöglichkeiten und Vorgehensweise werden zusammengetragen und bilden schließlich die Grundlage für die Entscheidung. Nicht zuletzt ist das Team die Instanz, in der pädagogisches Handeln reflektiert und dadurch auch kontrolliert wird. Durch die Idee des "Work and Progress" entstehen jeweils neue, einer veränderten Situation angepasste Betreuungsarrangements.
Ein weiteres Gremium, das eine Reflexionsmöglichkeit bietet, ist das seit Projektbeginn stattfindende "Jugendhilfeteam". Dies ist ein regelmäßiger monatlicher Treff von Mitarbeitern der Projektgruppe Katernberg, den zuständigen Kollegen des Allgemeinen Sozialdienstes und dem Jugendhilfe-Netzwerk. Auch dieses Gremium bietet die Möglichkeit einer externen Reflexion, insbesondere aus Gesichtspunkten der Ressourcen im Sozialraum.
Neben den geschilderten Strukturen finden regelmäßig Teamsupervisionen statt.
Um derartigen inneren Entwicklungs- und Entscheidungsprozess zu schützen und zu fördern, braucht es einen gesicherten strukturellen Rahmen. Dies ist die primäre Aufgabe der pädagogischen Leitung der Einrichtung.