|
Ein Programm, das Spass (=englisch: fun) macht und das Familien hilft. Als Kürzel steht FuN für "Famlie und Nachbarschaft". Es geht um die Stärkung des inneren Zusammenhalts der Familie und die Stärkung der Familie in ihrem sozialen Umfeld.
FuN spricht die ganze Familie an, also alle mit Kindern zusammenlebenden Erwachsenen: Eltern, Kinder und manchmal Großeltern/Onkel und Tanten sitzen bei diesem Programm um Familientische herum und spielen miteinander. Es sind Spiele, bei denen alle mitmachen können und bei denen es darum geht, miteinander zu reden und sich zu begegnen.
In der Regel findet FuN am Spätnachmittag statt, zu einer Zeit also, in der alle Familienmitglieder daran teilnehmen können. Drei Stunden lang spielen Eltern und Kinder miteinander und tauschen sich aus. Zwischendurch wird gemeinsam gegessen: immer kocht eine Familie für alle anderen mit und alle genießen es, einmal versorgt und verwöhnt zu werden. Auch die Familie, die gekocht hat, freut sich über das Lob und den Dank der anderen.
Es folgt die Elternzeit und die Kinderzeit: in getrennten Gruppen können die Kinder miteinander spielen und die Eltern haben Zeit, sich auszutauschen. Ohne große Vorgaben sprechen Eltern mit Eltern darüber, wie sie mit verschiedenen Familiensituationen umgehen, wie sie sich in Konflikten verhalten und welche Ideen sie für die Lösung schwieriger Fragen haben. Danach gibt es noch ein Überraschungsspiel für Eltern und Kinder gemeinsam und nach der Abschlussrunde ziehen Eltern und Kinder gelöst und zufrieden von dannen bis zum nächsten Treffen in der nächsten Woche.
FuN ist ein kurzweiliges Programm: es lebt von schnellen Wechseln und von Wiederholungen beim nächsten Mal. Acht Wochen lang treffen sich die Familien im wöchentlichen Rhythmus und von mal zu mal lernen sie mehr voneinander und durch die Struktur des Programms. FuN spricht besonders die Eltern an und bestärkt sie in ihrer Bedeutung für das Familienleben: die Eltern erklären ihren Kindern die Spielregeln, geben kleine Aufträge an die Kinder weiter und sorgen dafür, dass alle mitmachen; bei diesen Aufgaben werden sie von den Teamern durch intensives Coaching unterstützt. Diese Erfahrungen stärken die innere Struktur der Familie. Hinzu kommen die Eindrücke, die die Familien von den anderen Familien haben und der Austausch von Erfahrungen. Die Familien lernen: "Familienleben ist nicht leicht!", "Nicht nur wir haben unsere Schwierigkeiten damit!" und "Wir können viel voneinander lernen!" Dies stärkt die Nachbarschaft, die Stellung der Familie im sozialen Umfeld und den Kontakt und die Beziehungen zu anderen Familien.
Acht Wochen Familienprogramm je 3 Stunden am Nachmittag in der Kita oder Schule. Alle Familienmitglieder werden eingeladen
6 mal treffen sich die Familien anschließend zur Selbstorganisationsphase. Dabei werden sie von der Familienbildnerin untestützt.
Das Programm FuN setzt auf konkrete Erfahrungen von Eltern und Kindern und nicht so sehr auf die sprachliche Verarbeitung und Vermittlung. FuN erreicht damit auch Familien, die eher durch neue Erfahrungen als durch gedankliche und sprachliche Auseinandersetzung lernen. Neben der gleichzeitigen Ansprache von Eltern und Kindern liegt hier der zweite große Unterschied zu anderen Familienprogrammen. FuN spricht Familien unabhängig von ihrem sozialen und kulturellen Status an. Die ausgewählten Familien mit Unterstützungsbedarf werden persönlich eingeladen und speziell zur Teilnahme motiviert. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Familien bereitwillig dieser Einladung folgen und gerne am Programm teilnehmen.
Die starke Orientierung an konkreten Erfahrungen bietet insbesondere Familien mit Migrationshintergrund und anderen sozialkulturellen Unterschieden die Chance, sich mit ihren eigenen Erfahrungen und deren Hintergründen an dem Programm zu beteiligen. Für diese Familien entwickelt FuN nach den bisherigen Erfahrungen ein enormes Mass an Integrationskraft. Auch in Wohngebieten mit einem großen Anteil sozialbenachteiligter Familien eignet sich FuN als eine Form der Elternarbeit von Kindertageseinrichtungen gut.
Das FuN-Programm ist auf dem Hintergrund systemischen Denkens entwickelt worden. Die Eltern werden darin als kompetente Regisseure des Familienlebens betrachtet, die den Entwicklungs- und Erfahrungsraum für ihre Kinder gestalten. Dieses System funktioniert produktiv, wenn die Bedingungen gegenseitiger Wertschätzung und Achtung gelebt werden. Dem Ansatz von Virginia Satir folgend, dass Selbstwertgefühl dann weitervermittelt werden kann, wenn der eigene Pott gut gefüllt ist, d. h. der persönliche Selbstwert stark ausgeprägt ist, fördert das FuN-Programm die Eltern in der Ausübung ihrer Rolle und vermittelt positive Erfahrungen. FuN verzichtet vollständig auf die kritische Reflexion schwieriger Familiensituationen und setzt auf konstruktive Ideenfindung und Lösungsproduktion. Der Lernprozess findet dabei im Wesentlichen in der Gruppe der teilnehmenden Eltern statt. Daneben unterstützen die FuN-TeamerInnen diese Entwicklung durch aktives und wertschätzendes Coaching der Eltern.
FuN spricht die Eltern in erster Linie auf ihre Ressourcen und nicht auf ihre Defizite an und schafft damit eine Atmosphäre von Entwicklung und Wachsen. Durch die Anerkennung und Würdigung der Eltern und ihrer Leistungen für die Familie steigt auch deren Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
FuN ist als Kooperationsprojekt konzipiert und es fördert überall dort die Kooperation, wo es eingesetzt wird: zur Verbesserung der Elternarbeit in Kindertageseinrichtungen oder zur Verbesserung der Zusammenarbeit von Elternhäusern und Schulen. In den Teamzusammensetzungen spiegelt sich der Kooperationsgedanke wider: hier arbeiten MitarbeiterInnen der Erziehungseinrichtung (Kita oder Schule z.B. ) mit MitarbeiterInnen aus familienbezogenen Diensten (Familienbildungsstätte, Familienberatungsstelle) und dem Jugendamt kollegial und gleichberechtigt zusammen. Dies beginnt bereits in der Phase der Qualifizierung für das Programm: die beteiligten Berufsgruppen werden gemeinsam für die Programmdurchführung ausgebildet und sie lernen dabei viel voneinander. Die ErzieherInnen bringen als ihre Kompetenz ihre Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern ein; die FamilienbildnerInnen/FamilienberaterInnen ihre Kompetenzen in Elternarbeit. Ziel der Zusammenarbeit ist dabei, die verschiedenen Sichtweisen auf die Familien zusammenzubringen und die Schwelle zu unterstützenden Hilfen aus der Sicht der Familien zu senken.
Die bisherigen Erfahrungen bestätigen diese Erwartungen: die Familien, die am FuN-Programm teilgenommen haben, sind in der Regel in Zukunft leichter ansprechbar, motiviert für den Erfahrungsaustausch zu Erziehungsfragen und als Gruppe mit der Einrichtung stärker identifiziert. Hier zahlt sich die Investition an Zeit und Energie, die die MitarbeiterInnen in die Durchführung des FuN-Programms gesteckt haben, aus.
Seit Einführung des Programms werden alle durchgeführten Kurse evaluiert. In Kooperation mit der KFH-Münster sind im Rahmen eines Qualitätsmanagement-Seminars Fragebögen entwickelt worden, die von den Teamern und den teilnehmenden Familien ausgefüllt werden.
Mit der Fachhochschule Köln Frau Prof. Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler ist ein Evaluationsvertrag geschlossen worden, der die Entwicklung und Erprobung neuer Messinstrumente für Eltern und Kinder vorsieht.
Aus Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit (TPS) vom August 2004, Autoren: Birgit Piltman, Bernd Brixius vom Institut prapaed (Konzeptentwickler)
Auf der Suche nach einem niederschwelligen Elterntraining, das auch Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf erreicht, lernten wir im Jahre 2001 das FuN Elternprogramm kennen. Die erste Erfahrung machten wir Anfang 2002 mit einem FuN-Durchgang in der AWO Kita am Jahnplatz in Essen-Altendorf. Der Ansatz, bei dem die Familienmitglieder über eigenes Tun und das Miteinander reden wieder besser in Kontakt kommen überzeugte uns. Sowohl die Familien als auch das durchführende Team war von dieser Art der Elternarbeit begeistert. FuN ist besonders als Einstiegsangebot gut geeignet und ist in der Lage das Famlienklima in kurzer Zeit positiv zu verändern.
Im Herbst organisierten wir mit dem Institut praepaed aus Münster und der AWO Kita gGmbH die erste FuN Ausbildung in Essen. Daran nahmen Mitarbeiter/innen aus 9 AWO Kitas und einige Familienbildnerinnen teil.
Seit 2003 haben wir in den Kitas der AWO Essen 15 mal FuN durchgeführt. Daran haben 132 Erwachsene und 186 Kinder teilgenommen. Der besondere Reiz dieser Kooperation bestand darin, dass Erzieherinen (Kinderperspektive) und Familienbildnerinnen (Erwachsenenperspektive) in einem interdisziplinären Team zusammenarbeiteten.
Im Frühjahr 2003 organisierten wir (in Koop mit praepaed) im Rahmen des Projektes MoKi (Monheim für Kinder) die FuN Ausbildung für MitarbeiterInnen aus vier Kitas und 4 Familienbildnern zu FuN Teamern. Die anschließenden FuN Durchgänge in den Monheimer Kitas wurden in Kooperation mit uns durchgeführt.
Für das Projekt Elternbildung in der Schule wurden 2005 LehrerInnen aus 4 Katernberger Grundschulen im Landesinstitut für Qualifizierung in Soest zu Fun Teamern ausgebildet.
Anschließend führten wir in Kooperation mit den Schulen (Kantschule, Schule an der Viktoriastraße, Herbartschule und Carl-Meyer-Schule) sieben mal das FuN Programm durch.
Die positiven Wirkungen auf Kinder und auf das Verhältnis von LehrerInnen und Eltern waren so offensichtlich, dass die Schulen sich einhellig für eine Verstetigung dieses Elternprogrammes einsetzten.
In 7 FuN Durchgängen nahmen 45 Erwachsene und 75 Kinder aus 3 Schulen teil.
Lesen Sie mehr unter: http://www.awo-essen.de/fbs/schulprojekt/index.html
Viele Familien hatten nach dem Programm einen deutlich veränderten, positiveren Umgang untereinander. Viele Eltern berichteten, dass sich die Kinder besser an Regeln und Grenzen gehalten haben. Es entstanden gute Kontakte der Familien untereinander im Stadtteil und Eltern begannen aktiv im Kitaalltag oder Schulalltag mitzuwirken.
Der Baustein Gemeinsames Essen wurde bei allen positiv aufgenommen. Zudem haben sich alle Familien an die hier getroffenen Absprachen gehalten (jede Familie hat einmal für die FuN Gruppe gekocht).
Mit dem Element Spiel zu zweit hatten die meisten Eltern zu Anfang Schwierigkeiten, da das Spielen mit Wertlosmaterial für sie sehr ungewohnt war. Im Laufe der FuN Termine konnten sie sich aber immer besser auf das Spiel ihrer Kinder einlassen und diese genossen die gemeinsame Spielzeit.
Durch die Elternrunde hatten die Erwachsenen die Möglichkeit, sich über ihr Alltagsleben auszutauschen, Gemeinsamkeiten zu erleben und Kontakte zu knüpfen, um sich im Alltag gegenseitig zu entlasten.
3 x FuN in Katernberger Schulen (Essen)
4 x FuN in Essener Schulen Projekt Essener Schulen (neue Teams werden ausgebildet)
1 x FuN in der Städtischen Kita Steeler Straße, Essen Stadtmitte
1 x FuN in der Kita Fünfhandbank, Essen Kray
1 x FuN im Jugendzentrum Mülheim, Kooperation mit Stadt und AWO Mülheim
1 x FuN in Kooperation mit der Ruhrwerkstatt Oberhausen
AWO Familienbildungsstätte
Ute Metzker-Sollmann
Pferdemarkt 5
45127 Essen
Tel. 0201 1897 412
Mail: fbs@awo-essen.de
praepaed Institut für präventive Pädagogik
Birgit Piltman
Sporker Str. 10
32760 Detmold
Telefon: 05231-569123
Bernd Brixius
Marientalstr. 78
48149 Münster
Telefon: 0251-37164
Internet: www.praepaed.de
Mail: Bernd.Brixius@praepaed.de
Landesinstitut für Qualifizierung
Sabina Koerner
Paradieser Weg 64
59495 Soest
Telefon: 02921-683301