Jugendhilfe Netzwerk stellt am 12. Mai 2006 neue Räume vor

Am Freitag den 12. Mai 2006 um 13.00 Uhr, wird das Jugendhilfe-Netzwerk Nord, seine neuen Räumlichkeiten in Essen Katernberg einweihen (Schniedtkamp 24-26, 45237 Essen, direkt am Katernberger Markt).

Dem Aufbau eines Jugendhilfe Netzwerks in Essen-Katernberg gingen eine Reihe von Ereignissen, Überlegungen und Initiativen voraus, die für das Verstehen der Rahmenbedingungen, unter denen das Projekt realisiert wurde, von Bedeutung sind. Im Einzelnen sind hier zu nennen:

Diese Vorbedingungen legten es der Arbeiterwohlfahrt nahe, ein Modellprojekt zu initiieren, das in einer definierten Modellregion Erfahrungen sammeln und systematisch aufbereiten sollte. Durch Verknüpfung von verschiedenen Ansätzen der Jugendhilfe sollten nachhaltige Veränderungen und Verbesserungen für Jugendliche in einem Stadtteil erreicht werden. Die Wahl des Standorts fiel auf Essen-Katernberg.

In den Jahren 1997 bis 1998 wurde daher mit Mitteln des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales ein entsprechendes Modellprojekt finanziert. Nach dem Auslaufen der erfolgreichen Modellphase wurde der Arbeitsansatz auf kommunaler Ebene weiter finanziert.

Die Vernetzung im Stadtteil umfasst heute eine Vielzahl von Organisationsformen und hat zwischenzeitlich einen enormen Komplexitätsgrad erreicht, der u.a. auf vielschichtigen multilateralen Arbeitszusammenhängen zwischen den einzelnen Organisationsformen beruht.

Zitat des Institutes für Landes und Stadtentwicklung/NRW, 1. Auflage 2000:

"Dank der Erfahrungen des Jugendhilfe Netzwerkes seien inhaltliche und organisatorische Neuausrichtung in vielen Bereichen der Jugendsozialarbeit in ganz Essen ins Rollen gekommen."

Im Jahr 2001 gründeten die in Essen tätigen Freien Träger gemeinsam mit dem kommunalen Jugendamt den "Kooperationsverbund freier und öffentlicher Träger."

Unter anderen wurden die Hilfen zu Erziehung gem. § 27 KJHG ff. flächendeckend entsäult und auf der Basis des Ansatzes flexibler sozialräumlicher Hilfen neu konzipiert. Das vorhandene zentralisierte Personal wurde in entsprechende Sozialräume im Stadtgebiet in so genannte Flexteams dezentralisiert. In konsequenter Weiterentwicklung der Umorganisation von ambulanter Jugendhilfe in Essen erfolgte in den Jahren 2005/2006 die Trennung von "Einleiter" und "Durchführer" ambulanter Jugendhilfe.

In den Jahren 2003 und 2004 war Essen-Katernberg einer von vier Standorten des Modell- und Forschungsprojektes EPSO, in dem es zu überprüfen galt, ob im Bereich der Hilfen zur Erziehung formale und damit immer kostenwirksame Maßnahmen vermindert oder sogar vermieden werden können, indem frühzeitig in präventive Maßnahmen investiert wird. Die Evaluationsergebnisse verweisen darauf, dass präventive und vernetzende Aktivitäten im Sozialraum - wie die des Jugendhilfe Netzwerkes in Katernberg - im Bereich der HzE erhebliche "Renditen" erwirtschaften.

"Die Ergebnisse der Fallanalyse ebenso wie die Ergebnisse einer vertiefenden Betrachtung aller Fälle des Jugendhilfe Netzwerkes von 1997 bis heute verweisen darauf, dass die in Katernberg gegeben Strukturen und Arbeitsweisen sozialräumlichorientierter und präventiver Jugendhilfe gut ausgebaut sind und zu einer Verschiebung (kostenintensiver) stationärer zu Gunsten ambulanter Hilfen geführt haben." (Birgit Kalter, Christian Schrapper, EPSO-Zwischenbericht, 2003, S. 74-75)

Auch aufgrund der wissenschaftlichen Begleitung und der fundierten Ergebnisse der Universität Koblenz erfolgte im Jahr 2006 die endgültige Trennung zwischen Einleitung und Durchführung ambulanter Hilfen. Die Verbände der freien Träger, die zuvor auch die Tätigkeiten des Allgemeinen Sozialen Dienstes wahrnahmen, zogen sich komplett aus diesem Aufgabenbereich zurück. Der öffentliche Träger trennte sich im Gegenzug von der Durchführung der ambulanten Hilfen gem. § 27 KJHG. Somit erhöhte sich 2006 auch der Personalstand des Jugendhilfe Netzwerkes auf 13 Vollzeitstellen (bzw. 17 Personen aufgrund von Teilzeitbeschäftigung). Darüber hinaus wird die Einrichtung durch 10 freie Mitarbeiter ergänzt, um anfallende Fallspitzen abzufangen, die durch das vertraglich budgetierte Personal nicht abgedeckt werden können.