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"Was guckst Du?" - "Ey, Du Hurensohn, ich fick' Deine Mutter!"
Das sind keine Sätze eines bekannten Kabarettisten, sondern Beispiele aus dem Leben heutiger Jugendlicher, bevor es zu einer Schlägerei kommt. Rechtlich gesprochen hat dann eine Körperverletzung ohne rechtfertigenden Grund stattgefunden. Jugendlichen, die wegen einer Körperverletzungstat vor Gericht standen, kann vom Gericht eine Auflage gemacht werden, an einem Anti-Gewalt-Training (AGT) teilzunehmen.
Die AWO bietet nun schon seit September 2004 diese AGT für Jugendliche an, die entweder eine gerichtliche Auflage erhalten haben oder ein AGT freiwillig, beispielsweise auf Anraten der Schule, mitmachen wollen. Da in diesem Jahr sehr viele Jugendliche auf der Warteliste stehen, wurde sogar ein drittes AGT zusätzlich ins Programm genommen. Die AGT werden von Ingo Riesener von der Jugendgerichtshilfe der AWO in Zusammenarbeit mit Stephan Vogt, einem ausgebildeten Anti-Gewalt-Trainer, organisiert und durchgeführt. Das letzte AGT fand von April bis Juni 2006 statt. Es nahmen 11 Jugendliche teil.
Den Jugendlichen wird vermittelt, dass Angriff meistens doch nicht die beste Verteidigung ist, sondern die schlechteste. Konflikte zwischen Jugendlichen laufen meist nach dem selben Muster ab. Die eingangs genannten Beispiele geben einen kleinen Einblick in die Denkweise und Reaktionswelt der Teilnehmer. Die Jugendlichen sollen lernen, ihre Konflikte und Auseinandersetzungen anders zu regeln, als sie das bisher gewohnt waren oder gelernt haben. Da dieses Verhalten zum Teil schon seit Jahren geübte Praxis ist, sind die Eingriffsmöglichkeiten der Trainer eher begrenzt. Trotzdem soll über Konfrontation mit dem Tatverhalten einerseits und mit Kooperations- und vertrauensbildenden Übungen und Spielen andererseits ein alternatives Konfliktverhalten geübt werden. Es fällt den Teilnehmern schwer, ihre Tat zu schildern und Verantwortung zu übernehmen. Da wissen die Jugendlichen selbst am besten, wann sie unangenehmen Fragen ausweichen und werden von den anderen Teilnehmern immer wieder unter Druck gesetzt und zum Eingeständnis eigenen Fehlverhaltens gedrängt.
Dafür, dass das Gelernte anschließend draußen umgesetzt wird, gibt bei einem vom Jugendamt vorgegebenen Kontingent von 40 Stunden keine Garantie. Wer nicht bereit ist zu lernen, wird von den Trainern zum Arrest vorgeschlagen und braucht nicht mehr am Training teilnehmen.
Das nächste AGT findet vom 18.09.2006 bis zum 11.11.2006 jeweils Samstags und Donnerstags statt. Anmeldungen für Jugendliche von 14 bis unter 18 Jahren können bei Ingo Riesener, Tel.: 1897-322 oder per E-Mail: ingo.riesener@awo-essen.de eingereicht werden.